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Das Pestruper Gräberfeld

Das Pestruper Gräberfeld bietet auf 39 ha Heidefläche die größte Ansammlung von bronze- bis eisenzeitlichen Grabhügeln in Nordeuropa und ist in dieser Form nirgendwo anders zu finden. Es soll über 530 Grabhügel geben, die in drei Typen eingeteilt werden können:

1) die meisten Hügel sind relativ klein, ca. 1,5 m hoch und stammen aus der Bronze- und vorrömischen Eisenzeit. Sie wurden zwischen ca. 800 und 200 v. Chr.) errichtet.


Das Gräberfeld im August 2006, als die Heide nur ganz wenig blühte

und die Heide in voller Blüte im August 2007

2) Vornehmlich im Nordbereich gibt es die sog. "Königsgräber", die aber nur deshalb so heißen, weil sie viel größer als Typ 1 sind. Vor etwa 50 Jahren stellten die Archäologen fest, dass diese Hügel vermutlich ursprünglich gar keine Gräber, sondern Verbrennungsstätten für die Toten waren. Die Urnen mit der Asche wurden dann in den kleineren Erdhügeln beigesetzt.

In späteren Jahren machte man es sich zum Teil einfacher. Weil die großen, bronzezeitlichen Hügel einmal da waren, haben die Menschen der Eisenzeit (ca. 700-0 v. Chr.) nachträglich noch einige Urnen in ihnen vergraben.

eines der Königsgräber neben dem Schafkoben

3) Als dritten Hügeltyp kann man die 14 "Langhügel" oder "Hochäcker" im mittleren bis östlichen im Gräberfeld bewundern. Diese hatten wohl eine unbekannte, rituelle Bedeutung. Als man einen untersuchte, stellte man fest, dass er keine Bestattungen enthielt, sondern ein älteres Hügelgrab überdeckte; und unter diesem fand sich eine noch ältere Bestattung mit eisernen Beigaben. Somit dürften alle drei aus der Eisenzeit stammen.

Die meisten Toten im Gräberfeld wurden in Urnen bestattet, es gibt aber auch Hügel, wo alle Reste des Scheiterhaufens mit Erde überdeckt wurden.

Daneben gibt es in unmittelbarer Nähe auch vereinzelte noch Gräber aus der älteren Bronzezeit.

Das Gräberfeld ist seit langer Zeit sowohl ein Kultur- als auch Naturdenkmal. 1938 wurde es zum Naturschutzgebiet erklärt (gemeinsam mit dem benachbarten Rosengarten), 1992 wurde zusätzlich ein sehr großes Grabungsschutzgebiet rund um das Gräberfeld und die Kleinenkneter Steine eingerichtet.

Das hält aber böse Menschen nicht von mutwilliger Zerstörung ab. Im September 2006 waren aufwändige und teure Infotafeln am Gräberfeld aufgestellt worden, die leider 3 Wochen später von unbekannten Vandalen mutwillig zerstört wurden. Die Tafeln wurden einige Wochen später erneuert und nur wenige Tage später wieder zerschlagen - sehr, sehr traurig! Ich frage mich, was sich diese "mutigen" Rabauken dabei denken? Ende Januar 2008 wurden die Tafeln am Schafkoben zum dritten Mal wieder aufgebaut.

Am schnellsten erreicht man das Gräberfeld von Wildeshausen aus, wenn man am Krankenhaus vorbei die K 248 in Richtung Goldenstedt und Twistringen nimmt. Ca. 1 km hinter Wildeshausen liegt rechter Hand das große Heidegebiet des Pestruper Gräberfeldes. An der linken Straßenseite gibt es einen großen Parkplatz im Wald.

Wegen des flächendeckenden Heidebesatzes lohnt sich ein Besuch besonders im späten August, wenn die Heide blüht. Allerdings gibt es ab und zu Probleme mit der sog. Drahtschmiele, denn 2006 stand das vertrocknete Gras so hoch, dass von der blühenden Heide kaum etwas zu sehen war. Grund war die feuchte Witterung im Mai, bei der das Gras sich stark vermehrte, und der Befall der Heide durch den schädlichen Heideblattkäfer im Herbst 2005. 
Seit dem 27.3.07 gibt es wieder eine Heidschnuckenherde (152 Tiere, hornlose Moorschnucken) im Gräberfeld, die es im Frühjahr und Herbst beweiden und Drahtschmiele und abgestorbene Heidepflanzen wegfressen soll. Nachts bleiben die Schafe im Schafkoben, der leider nicht mehr Schafe fasst. Denn eigentlich sind für ein derart großes Areal mehr Tiere notwendig. Im Sommer werden die Tiere vorübergehend abgezogen, und im Herbst 2007 waren wieder 170 Heidschnucken im Gräberfeld, die jetzt wohl relativ dauerhaft im Gräberfeld verbleiben sollen.
Der erste Erfolg zeigt sich schon im August 2007: Die Heide blühte wieder prächtig!


Größere Kartenansicht

Übrigens: Wenn man vom Pestruper Gräberfeld der Kreisstraße weiter nach Süden folgt, zweigt nach ca. 2 km nach rechts ein Straße ab, die zu den Großen Steinen von Kleinenkneten, wirklich lohnenden Großsteingräbern, führt. Es gibt auch einen halbstündigen Wanderweg, der die Südwestecke des Gräberfeldes mit den Kleinenkneter Steinen verbindet.

Förderverein Urgeschichtliches Zentrum Wildeshausen  •  Holzhausen 9  •  27793 Wildeshausen
www.uzw-wildeshausen.de - 03.03.2013